Abschied nach 20 Jahren Jugendleitung

Geschrieben von admin. Kategorien: Jugendbewegung

Visionär / Prediger / Freund / (Hoffnungsloser) Leverkusen-Fan (-Fall) / Last-Minute-Organisator / Pate / Kaffeeliebhaber (oder doch Coffein-Addict?) / Feinschmecker / Ballsportler / Event-Planer / Weltenbummler / Prozessorientierter Leiter / Geschichtenerzähler / Innovator / Ewiger Student / Junggebliebener / Motivator / Musiker*

Nach 20 Jahren segensreicher Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verabschieden wir Wolfgang Arzt als Jugendleiter. Stellvertretend für den Dank unserer Gemeinde lassen wir hier drei Menschen zu Wort kommen:


(1)

“Manchmal, wenn der richtige Mensch zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist – dann kann daraus Großes und Schönes entstehen.

So auch in diesem Fall: 1996 war die Stelle eines Jugendleiters in unserer Rupelrather Gemeinde vakant, und Wolfgang Arzt hatte gerade seine Ausbildung an einer Bibelschule beendet. Durch ein Praktikum in unserer Gemeinde war er Menschen begegnet und bekannt – und in mehreren Köpfen war, unabhängig voneinander, der Gedanke entstanden: Wäre das nicht der geeignete Mitarbeiter, den wir für unsere Jugendarbeit brauchen? Und so wurde Wolfgang Arzt angefragt und Jugendleiter in Rupelrath.

Nominell war ich Vorgesetzter, aber faktisch war es eine Dienstgemeinschaft auf Augenhöhe, in der wir eine Gemeindearbeit in Rupelrath gestalten wollten, der es um die Sache Gottes geht – jeder mit seinem Schwerpunkt. Das Besondere an Wolfgang, das ich immer mehr zu schätzen wusste, war sein Wissen um die Lebenswelt der Jugendlichen. Er wusste um ihre Themen, er kannte ihre Probleme, er teilte ihre (musikalische) Kultur, er war in ihrer medialen Welt zu Hause. Für mich als älterer Pfarrer war das, was daraus entstand, oft überraschend “verrückt”, meinem eigenen Denken meilenweit voraus – aber ich habe seinem Gespür vertraut – und der Erfolg gab ihm recht.

Was aber war denn der Erfolg? Der Erfolg war, dass viele junge Menschen über diese Dinge und über seine Person eine Brücke zum Evangelium und zum Glauben fanden – und zu mündigen und aktiven jungen Christen wurden.

Vieles, was heute für unsere Kirchengemeinde kennzeichnend ist, gäbe es ohne seine Inspiration möglicherweise nicht, z.B.: einen Gottesdienst “FreiRaum”, der von jungen Erwachsenen gestaltet wird, der Jugendgottesdienst “HORST” mit jungen Christen als Verkündiger, das “Gipfeltreffen” als wöchentlicher Jugendgottesdienst, der Jugendliche eher anspricht als die Sonntagsgottesdienste der Gemeinde. Dazu gehören auch die immer wieder tollen Teams der Mitarbeitenden in der Konfirmandenarbeit und auf den Jugendfreizeiten in den Sommerferien.

So ist in der Zeit seines Wirkens eine lebendige und auch nachhaltige Jugendarbeit entstanden. Ich bin dankbar für seine Arbeit und unsere Dienstgemeinschaft – und für allen Segen, den Gott auf das Wirken von Wolfgang Arzt gelegt hat.”

Hans Wilhelm Ermen, Pfr. i.R.


(2)

“Wolfgang kann Geschichten erzählen. Seine Spezialität ist die Gruselgeschichte vom L-förmigen Swimmingpool mit den elf Haien. Die gruselte manch halbausgewachsenem Mann, was mit Sicherheit auch daran liegt, dass Wolfgangs Gesicht überdurchschnittlich gruselig aussieht, wenn man es von unten mit einer Taschenlampe beleuchtet.

Als Kind muss ich eher nervig gewesen sein. Zumindest erzählt Wolfgang mir bis heute, das ich ihn mit einem penetranten “Du Wolle!” herausforderte. 18 Jahre später hat er auf unserer Trauung gepredigt. Dazwischen liegen unzählige Freizeiten, Proben, OnFire-Gottesdienste, Blödeleien im Jugendbüro, und nicht zuletzt immer wieder tiefe Gespräche mit ihm und Shabnam.

2003 suchte die OnFire-Band einen Schlagzeuger. Wolfgang fragte, ob ich Lust hätte mitzuspielen. Mit einiger Skepsis fuhr ich zur ersten Probe – an die ich mich bis heute sehr gut erinnere. Heute mag ich mir gar nicht ausmalen, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich nicht zu dieser Probe gefahren wäre.

Wolfgang ist ein Initiator. Er hat immer eine neue Idee. Mit Wolfgang im Team zu arbeiten bedeutet, auf Augenhöhe und gleichberechtigt zu sein. Ich erinnere mich an viele wegweisende Entscheidungen, die wir als Team getroffen haben. 2004 wurde klar, dass die Christuskirche für OnFire zu klein wird. Die Suche nach einem neuen Ort war lang und kontrovers. Das “Get” hatte das Leitungsteam sehr früh als ungeeignet befunden. “Get God” hatte gezeigt, dass man dort durchaus christliche Konzerte, jedoch keinen Gottesdienst feiern konnte. Dass wir alle ausgerechnet nach “Get God” die Entscheidung für das “Get” trafen, würde ich Gottes Führung nennen.

Wolfgang hat ein unglaubliches Listengedächtnis. Mit beeindruckender Treffsicherheit kann er Namen, Adressen und Geburtsdaten von Freizeitlisten rezitieren. Unsicherheiten hat er dort, wo es keine Listen gibt: “Simon, wie trinkst du deinen Kaffee noch mal?”

Wolfgang und Shabnam sind die Könige der Gastfreundschaft. Shabnam hat die Zubereitung von Essen nach der Methode “Ich werf´ mal gerade was zusammen” perfektioniert. Glücklich schätzen darf sich der, für den sie “richtig” kocht. Wolfgang, du bist ein Glückspilz.”

Simon Goltz


(3)

“Wolle und Rupelrath – zwei kaum voneinander zu trennende Worte. Zwanzig Jahre, in denen die Haarpracht immer schütterer wurde, doch viel wichtiger, die Jugendarbeit immer weiter aufblühte! Sicherlich entstanden durch Gottes Gnade, aber eben auch durch einen einzigartigen Jugendleiter!

Das Geheimnis seiner Arbeit? Ein ehrliches Herz für Jesus und Jugendliche, innovieren, Neues wagen, selbst blutjungen Menschen Vertrauen für große Aufgaben schenken und sie begleiten, sie zu einem reifen und reflektierten Christsein anregen!

Lieber Wolle, jeder wird festgestellt haben, dass diese Jugendleiterstelle für dich mehr als nur ein Beruf war. Du hast sie mit Leben und Liebe gefüllt, und so weitaus mehr als 1000 (!!!) Jugendliche für ihr Leben geprägt, nicht zuletzt auch meines ganz entscheidend. Wer kann schon von sich behaupten, das Leben so vieler Menschen bereichert zu haben?!

Von Herzen Danke!”

Fabian Ermen

(* Schlagwörter: Familie Genscher)

(Bild: Martin Kempner)