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Er aber zog seine Straße fröhlich... (Konfirmation)

18.04.2010

Apostelgeschichte 8,39b

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Predigttext: Apostelgeschichte 8,39b (Lehrtext vom 18.4.2010 - tw.)

Liebe Gemeinde!
Sozusagen die „Steilvorlage" für die heutige Konfirmationspredigt hat mir das Losungsbuch der Herrnhuter Losungen geliefert. Da steht am Ende des neutestamentlichen Bibelwortes der Satz und die Feststellung:

„Er zog aber seine Straße fröhlich."

Und genau das wünsche ich Euch für Euer Leben: dass Ihr Eure Lebensstraße fröhlich zieht. Nicht, weil Ihr es „hinter Euch habt" - den „Konfi" - sondern weil etwas vor Euch liegt, was hoffentlich von Freude und Fröhlichkeit geprägt sein wird: Eure Lebensstraße. Und dazu soll auch dieser Konfirmationsgottesdienst beitragen.
Das wünsche ich übrigens nicht nur Euch, sondern Ihnen und uns allen, dass Sie, aus welchem Alltag und aus welcher Lebenssituation Sie auch kommen, was Sie vielleicht auch in diesen Gottesdienst mitgebracht haben an Fragen und Sorgen: dass Sie Ihre Straße, Ihre Lebensstraße gleich fröhlich ziehen können.
Sie fragen: Wie soll das geschehen? Ich denke: Durch eine Begegnung heute morgen. Vielleicht durch eine ganz unverhoffte Begegnung. Dass Ihnen etwas und vor allem einer begegnet, den Sie heute morgen vielleicht gar nicht auf der Rechnung hatten. - So ist es nämlich demjenigen ergangen, der hier in diesem Bibeltext seine Straße fröhlich zieht. Diese Begegnung hatte er eigentlich nicht auf der Rechnung - die Begegnung mit Gott.

Ich denke, ich muss Euch und Ihnen diesen Menschen einmal näher vorstellen. Aus dem Konfirmandenalter ist der längst raus - mir scheint deshalb meine Hoffnung nicht unbegründet zu sein, dass es eine Geschichte nicht nur für Konfis ist. Die Fröhlichkeit, um die es hier geht, kann sich auch dann noch im Leben einstellen, wenn man den größten Teil seiner Lebensstraße sozusagen schon im Rückspiegel sieht.
Was hat es also auf sich mit diesem Mann und seiner Begegnung? Was macht ihn so fröhlich? Was ist ihm widerfahren? Was ist das für ein Mensch? Er ist:


1. Ein Suchender - ohne Erfolg
Eigentlich sollte man zunächst meinen, dieser Mensch habe alles in seinem Leben erreicht. Er hat das erreicht, was sich viele Menschen - und manche Eltern auch für ihre Kinder wünschen: Er gehört zur Elite seines Landes. Er hat Karriere gemacht. Er ist, so verrät es uns die Bibel, Minister. Finanzminister. Finanzminister der äthiopischen Königin.
Dieses Amt ist allerdings nicht der Grund seiner Fröhlichkeit. Heutzutage sind Finanzminister ja eh schon fast von Amts wegen immer eine Art „Ritter von der traurigen Gestalt" - angesichts ihrer leeren Kassen. Aber auch angesichts gefüllter Kassen stellt sich bei erfolgreichen Menschen durchaus oft die selbstkritische Frage ein: „Was trägt denn wirklich im Leben?" „Was trägt mich wirklich durchs Leben?" „Was hält mich noch, wenn ich keinen Halt mehr finde?" - Und seien wir uns darüber im Klaren: Diese Frage ist keine andere Frage als die Frage nach Gott.
Das wusste wohl auch dieser Finanzminister. Von diesem Finanzminister wird einige Verse vorher berichtet, dass er von Äthiopien nach Jerusalem gekommen sei, um „anzubeten". Im Konfi haben wir gelernt: Das, was wir anbeten, ist unser Gott. Sag mir, was der Höchstwert Deines Lebens ist - und ich sage Dir, wie Dein Gott heißt. Es ist der Höchstwert unseres Lebens, für den wir bereit sind, anderes zu opfern: Zeit, Geld, Sonntagsruhe, vielleicht sogar Familie ...
Und die Frage ist: Was lohnt sich anzubeten?

  • Was mich auf der Karriereleiter weiterbringt?
  • Was mein Gehalt steigen lässt?
  • Was mir Ansehen bringt? -
  • Oder was mein Herz fröhlich macht?

Unser Finanzminister - äußerlich ein erfolgreicher Mann - und doch innerlich ein Suchender!
Damit wir uns nicht missverstehen: Es gibt viele schöne Ziele im Leben, die erstrebenswert sind. Sie sollen überhaupt nicht miesgemacht werden - aber die Frage ist wichtig: Welchen Stellenwert haben sie? Sind sie mein Gott? Die Kontrollfrage heißt: Habe ich die Ziele - oder haben die Ziele mich?

Unser äthiopischer Finanzminister - ein Suchender. Er ist nach Jerusalem gekommen um anzubeten - und ist frustriert. Er hat nämlich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit gar nicht in den Tempel gekonnt um anzubeten - weil er, so berichtet die Bibel, ein Eunuch war, ein Entmannter. Die Tempelpolizei wird ihn bei der Einlasskontrolle (und das war offensichtlich nicht nur eine Gesichtskontrolle) am Tempelbesuch und am Anbeten gehindert haben. Menschen wie er waren vom Gottesdienst ausgeschlossen.
Da sucht einer nach Gott - und die Kirche steht ihm im Wege. Enttäuschend. Und leider nicht nur Vergangenheit. Vielleicht hat auch jemand von Ihnen eine solche Enttäuschungsgeschichte mitgebracht: Ehrlich interessiert an Glaube und Gott - und dann abgehalten von unglaubwürdigen Christen oder lieblosen Funktionären der Kirche. Manche ehrliche Suche ist so schon gescheitert. (Vielleicht auch schon mal an mir! Das kann ich gar nicht ausschließen. Obwohl ich das gar nicht will.)
Hier ist es wohl so gewesen. Und so macht er sich wieder mit seinem Reisewagen auf den Heimweg. Überhaupt nicht fröhlich, sondern frustriert. - Ach so: Vor der Abreise ist er noch in eine Buchhandlung gegangen und hat sich eine Bibel gekauft - sozusagen als Reiselektüre. Er fährt ab Richtung Süden, beginnt zu lesen - und versteht nur Bahnhof. Es scheint: Diese Reise hätte er sich wirklich sparen können - und die Suche auch. - Die Suche nach einem Sinn für seine Lebensstraße - hier war er nicht fündig geworden: beim Gott Israels.
So denkt er - aber denkste: Einer denkt anders: Gott! Er will, dass aus einem Suchenden ein anderer wird - nämlich:


2. Ein Gefundener - von Gottes Liebe
Unser Finanzminister hatte die Sache und die Suche wahrscheinlich schon abgehakt. Aber Gott hatte sie nicht abgehakt! So wie Gott auch Sie nicht abgehakt hat. So wie Gott auch Euch nie abhaken wird. Den Konfiunterricht könnt Ihr abhaken, sollt Ihr auch. Wie es bei Euch mit Gott ist, das mag unterschiedlich sein. - Aber bei Gott bleibt Ihr auf der Tagesordnung - lebenslang. Und manchmal rennt einer weg - und dann begegnet er Gott plötzlich irgendwann und irgendwo und unverhofft auf der Straße des Lebens - und entdeckt: Da wartet einer auf mich in Liebe.

Zurück zur Geschichte: Ehe der Finanzminister frustriert in Afrika ankommt, schickt ihm Gott einen seiner Jünger über den Weg. Er heißt Philipp, genauer Philippus. Der steht an der Straße, die durch den Gazastreifen geht. Da soll er warten - bis Gott ihm zeigt: Da kommt einer, der Dich und mich braucht. Und als er den Afrikaner sieht, da ist im klar: Das ist er. Da macht Philippus einen auf „per Anhalter" - und wird mitgenommen.
Er steigt auf den Reisewagen und sie kommen in ein Gespräch über die Reiselektüre (er liest übrigens gerade im Propheten Jesaja) und über Lust und Frust dieser spirituellen Reise nach Jerusalem.
Und sie kommen ins Gespräch über den Text aus dem Propheten Jesaja - und der verweist auf Jesus. Darüber reden sie; über Jesus. Nein, nicht über Gott, sondern über Jesus. Warum? Ist das denn so wichtig?
Christen können gar nicht anders: Wenn sie über Gott reden, dann nehmen sie den Weg über Jesus. Warum? Damit es nicht bei so einem Allerweltsgott und so einem Allerweltsglauben bleibt: so ein Glaube, bei dem man glaubt - ohne wirklich zu glauben. Man glaubt, dass es ihn gibt - und lässt ihn einen guten Mann sein. (Und der Pastor ist hoffentlich auch beruhigt, dass ich nichts gegen Gottes Existenz einzuwenden habe - wie mir neulich bei einem Taufgespräch passiert.)
Aber mit so einem Glauben, mit dem man immer einen gewissen Sicherheitsabstand zum konkreten Leben einhalten kann, wird man nicht fröhlich. Im Grunde ist es die Haltung des Misstrauens, das da sichtbar wird und das Problem. Das ist Gottes Problem mit uns. Liebe will keinen Abstand. Liebe will Gemeinschaft.
Deshalb kommt Gott in Jesus auf die Welt. In Jesus überwindet Gott diesen Abstand und landet mitten in unserem menschlichen Leben. Und siehe da: plötzlich bekommt Gott menschliche Züge, die ich verstehe. Durch Jesus entdecke ich plötzlich, wer Gott ist:

  • Kein himmlischer Gerichtspräsident, sondern liebender Vater.
  • Keiner, der über den Wolken und der Vulkanasche thront, sondern bei uns sein will auf den Straßen des Lebens.
  • Keiner, dem wir egal sind, sondern der die Wunden, die wir uns auf den Straßen des Lebens geholt haben, heilen will.
  • Keinem, dem es egal ist, dass wir nicht wissen, was wir glauben und hoffen dürfen - und was der Sinn unseres Lebens ist.

Und so macht sich Gott in Jesus auf den Weg, damit Suchende zu Gefundenen werden - wie der Finanzminister aus Äthiopien.

Eine unerwartetete Begegnung mit Folgen. Der Finanzminister hört nicht nur eine interessante Predigt, hat nicht nur ein gutes Gespräch - sondern erkennt: Hier begegnet mir Gott. Und in dieser Begegnung liegt die Chance eines neuen Lebens. Und dieses neue Leben wird an einem Zeichen festgemacht: an der Taufe. Und so sagt er: „Was hindert es mich, dass ich mich taufen lasse?"

Fünf von Euch 12 Konfirmandinnen und Konfirmanden werden heute in diesem Gottesdienst getauft. Ein bisschen anders als damals, als die Menschen ganz unter Wasser getaucht wurden - aber mit der gleichen Aussagekraft: Du darfst Dein Leben in einem neuen Licht und aus einer neuen Kraft leben: Gott dein Schöpfer ist dir gut! Gott der Sohn Jesus Christus ist dein Freund! Gott der Heilige Geist ist die Kraft deines Lebens auf den Straßen des Lebens.

Sieben von Euch sind bereits (meist als kleines Kind) getauft worden. Da ist Euch das Geschenk dieser Zusagen bereits gemacht worden. In der Konfirmation sollt Ihr dazu „Ja" sagen. Und auch die meisten von Ihnen heute morgen werden getauft sein. Vielleicht fragen Sie, was das für Sie bedeuten kann und darf?
Die Taufe ist auch ein Versprechen Gottes im Rückblick auf dieses Geschenk: In meiner Taufe, auch wenn ich sie nicht kapiert habe, hat Gott mir Brief und Siegel gegeben, dass er für mich da ist. Wenn Sie auf den Straßen Ihres Lebens gerade in Dunkelheiten stecken, dann dürfen Sie sich daran erinnern: Da ist mir Gottes Liebe zugesagt und als sein Geschenk versichert worden.
Und offensichtlich ist das die Konsequenz dieses Begreifens für den Weg in die Zukunft: „Er zog aber seine Straße fröhlich." - Wir fragen noch einmal: Was ist das für ein Mensch, der hier so fröhlich seine Straße zieht?


3. Ein Begleiteter - von Gottes Treue
„Er zog aber seine Straße fröhlich." - Die berechtigte Frage lautet natürlich: Wird das so bleiben - mit der Fröhlichkeit? Ist das das durchgehende Kennzeichen eines von Gott gefundenen Menschen? Also: „Immer nur lächeln, immer vergnügt!"?
Nein! Ganz bestimmt nicht! - Um allen Illusionen Einhalt zu bieten: Die Straße unseres Lebens ist auch für Christen eine Straße, auf der böse Dinge geschehen können, auf der es mühsam sein kann, auf der geweint werden wird und auch geklagt werden kann und muss.

„Er zog aber seine Straße fröhlich." - Was bleibt dann aber von diesem Satz? Was bleibt von dieser Erfahrung? Das bleibt: Gott bleibt! Jesus bleibt. Sein Versprechen gilt für die Straßen unseres Lebens: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende!" Ich bin nicht allein, ich bin also ein Begleiteter. Und wenn mir nicht fröhlich zumute ist, dann bleibt doch dies:

  • Eine tiefe Freude darüber, dass einer mein Leben in seiner Hand hält.
  • Eine tiefe Freude darüber, dass er mir Wege zeigt, die nicht immer einfach sein werden, aber sinnvoll.
  • Eine tiefe Freude darüber, dass ich weiß, wem ich im Leben - und auch noch im Sterben gehören werde: meinem treuen Gott.

Aus der Begegnung des Finanzministers auf der Straße bei Gaza ist damals also eine Weggemeinschaft geworden. Solche Begegnungen gibt es bis heute: Im Konfirmandenunterricht, und vielleicht sogar - ganz unverhofft - in einem Konfirmationsgottesdienst, zu dem man vielleicht eher nur aus Pflichtgefühl oder Höflichkeit gegangen ist. Mag sein, ich bin da von Gott erwartet worden, um mich fragen oder erinnern zu lassen: Was ist mein Halt auf der Straße des Lebens? Oder: Was ist mein Ziel?

Das dürfen wir glauben, so gewiss wir getauft sind: Ich bin nie allein, sondern Jesus ist mein Begleiter. Mein Leben soll kein Irrweg, sondern darf ein Heimweg sein. Der Weg ist noch nicht das Ziel - aber ein lohnendes Stück Leben, weil mich einer in und an seiner Hand hält. Das macht mich fröhlich - und Euch und Sie hoffentlich auch.
Amen.

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