Er ist wahrhaftig auferstanden (Ostersonntag)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.
Predigttext: Lukas 24,1-12.36-40 (Erzählpredigt)
Liebe Kinder! Liebe Gemeinde!
Ich möchte Euch heute die schönste und wichtigste Geschichte der Bibel erzählen. Und die schönste und wichtigste Geschichte der Bibel ist die Ostergeschichte. An einer Stelle in der Bibel steht: Wenn diese Geschichte nicht wirklich geschehen wäre, dann könnten wir gleich „einpacken" mit Glaube, Kirche und Kirchen, mit Pastoren und Familiengottesdiensten - und allem was dazugehört.
Und ihr merkt schon: Die Ostergeschichte ist kein Ostermärchen wie die Geschichte vom Osterhasen, sondern eine wahre Begebenheit, die die Welt verändert hat.
Die Ostergeschichte ist die schönste und wichtigste Geschichte der Bibel. Dabei, so muss man sagen, steht am Anfang eine ganz traurige Sache: nämlich die Tatsache, dass Menschen ihren besten Freund verloren hatten. Diese Menschen waren die Freunde Jesu, und sie hatten erleben müssen, dass Menschen so wütend waren, dass sie Jesus gekreuzigt haben. „Warum?" werdet ihr fragen. Hatte Jesus denn nicht nur Gutes getan? Menschen geheilt? Andere Menschen getröstet? Von Gott Geschichten erzählt, dass man Gott richtig lieb gewinnen mochte? Nun: Diese Menschen hatten sich darüber geärgert, dass Jesus auch am Feiertag geheilt hatte. Sie hatten sich darüber geärgert, dass er gesagt hat, dass Gott alle Menschen lieb hat - auch die, die manchmal Mist gebaut haben in ihrem Leben. Sie hatten sich darüber geärgert, dass er ihnen die Sünden vergeben hatte - im Namen Gottes. Dass er so tat als sei er Gottes Sohn. Das fanden sie schlimm. Und deshalb haben sie ihn gepackt, geschlagen, gekreuzigt, getötet - und noch zwei andere mit ihm. Und der Maler (es ist der Maler Egon Schiele) zeigt hier: Da in der Mitte, da stirbt einer, dessen Leben doch eigentlich hell war. Und das ist alles so traurig, dass sich die Sonne verdunkelt. Da stirbt das Licht der Welt.
Und dann haben mutige andere Freunde ihn vom Kreuz abgenommen, ihn in einer Felsenhöhle beerdigt - und ein paar starke Männer haben einen großen Stein vor das Eingangsloch gelegt, damit ihn keiner herausholen konnte. Damit der „Fall Jesus" ein für allemal erledigt war.
(Egon Schiele)
Und die Freunde von Jesus? Petrus? Jakobus? Johannes? Andreas? Thomas - und wie sie alle hießen? Sie waren abgehauen. Sie hatten sich in einem Haus versteckt. Sie hatten sich eingeschlossen. Sie hatten Angst. Sie haben geweint. Sie haben geheult. Sie waren verzweifelt. So wie man weint, wenn etwas ganz Schlimmes passiert ist. Das kennt jeder von uns.
Sie konnten die Welt nicht verstehen. Sie konnten Gott nicht verstehen, der das zugelassen hatte. Es schien, alle ihre Hoffnungen waren begraben. Es schien: Auch Gott war gegen Jesus gewesen. Sonst hätte er das doch nicht zugelassen. So dachten sie. Aber: falsch gedacht!
Denn dann geschah Ostern. Und Ostern ist die große Wende. Im Lukas-Evangelium wird die Geschichte so erzählt:
Zwei Tage nach der Kreuzigung am Karfreitag, also insgesamt am dritten Tag, machen sich frühmorgens ein paar Frauen auf dem Weg zum Friedhof. Zwei davon hießen Maria. Sie hatten Jesus gut gekannt - so wie seine Freunde auch. Aber es scheint, sie waren mutiger als Petrus und Johannes und Jakobus. Aber die eine Maria war die Mutter von Jakobus. Sie haben noch etwas vor: Sie wollen den toten Jesus mit „wohlriechenden Ölen und Salben" einsalben. Das machte man früher. Das sollte ein letzter Liebesdienst an Jesus sein.
Es ist noch fast dunkel, als sie sich auf den Weg machen. Sie kommen auf dem Friedhof an. Wo war noch mal das Grab? Ja, da vorne! Aber was war das? Da war doch gestern noch ein riesiger Stein davor? Daran hatten sie wohl gar nicht gedacht! War jetzt aber auch kein Problem mehr, denn - der Stein war weg!
Aber, Schreck lass nach! Was sollte das bedeuten? Vorsichtig kommen sie näher. Sie gucken in das Grab. Sie gehen hinein - ganz vorsichtig. Da war er doch gestern noch reingelegt worden - und jetzt: Nix zu sehen von Jesus. Das Grab ist leer! - - Da wurden sie noch trauriger. Jetzt hatte man ihnen sogar noch den toten Jesus weggenommen - dachten sie. Es wurde ja alles immer nur noch schlimmer - so dachten sie.
Und während sie da nur noch traurig und verzweifelt grübelten, da standen da plötzlich zwei Männer. Weiß der Himmel, wo die plötzlich herkamen. Die sahen auch so aus, als kämen sie aus dem Himmel. Sie hatten solche leuchtenden Kleider an. Gar keine Beerdigungsklamotten. Gar keine schwarzen Anzüge, keinen schwarzen Schlips (wie man sie sonst bei einer Beerdigung trägt). Was machen die denn hier? Was wollen die?
Nun: die wollen ihnen wohl etwas sagen. Und was sie ihnen sagen, das ist kaum zu glauben - was sie sagen, das haut sie fast um: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!" Und: „Was guckt ihr so, als ob ihr nicht bis drei zählen könntet? Denkt doch mal nach! Dieser Tod war nicht nur ein Unglück! Das war auch nicht nur eine große Ungerechtigkeit der Menschen! Das war keine unvorhergesehene Katastrophe. Euer Freund Jesus hat immer schon davon gesprochen, dass das passieren würde. Erinnert Euch doch!
Und erinnert Euch auch daran, dass er gesagt hat, dass er auferstehen würde am dritten Tag. Und das ist heute. Gott hat ihn auferweckt von den Toten. Jesus ist nicht geklaut! Jesus ist nicht verschwunden! Jesus ist auferstanden! Es ist Ostern! Capito?"
Da standen sie mit ihrem Talent. Wie bitte? Ein Toter sollte wieder lebendig sein? Das gibt's doch gar nicht! Unmöglich! Unglaublich! Keine Frage: Er, Jesus, war nicht mehr da! Aber was soll das heißen? Wo war er denn jetzt? - Und vor allem: Was sollen sie tun?
Sie sagen: „Wir müssen es den anderen erzählen: Petrus und Johannes und Jakobus!" Und sie nehmen die Beine in die Hand. Sie rennen in die Stadt. Sie rennen durch Jerusalem. Sie hämmern an die Tür, wo sich die Freunde versteckt und verbarrikadiert haben. „Macht auf! Es ist etwas passiert!"
Vorsichtig gucken die Jünger durch den Türspalt. „Was ist denn jetzt schon wieder passiert?" Und atemlos erzählen sie: „Wir kamen heute morgen zum Grab. Wir wollten Jesus noch einmal was Gutes tun - ihn einsalben. Und stellt euch vor: Der Stein war weg. Und das Grab war leer! Und dann standen da plötzlich zwei Männer, zwei Lichtgestalten, die sagten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!" Hört Ihr? Kapiert Ihr? Sie sagen: Er lebt! Was sagt Ihr dazu?"
Wenn Du meine Meinung wissen willst, sagte einer der Jünger: „Ihr spinnt!" Typisches überdrehtes Frauengeschwätz. Ihr habt wahrscheinlich nur nicht richtig hingeguckt!
„Doch, wir haben richtig hingeguckt. Er war wirklich nicht da! Für wie doof haltet ihr uns eigentlich?"
Da sagte Petrus: Ich geh selber nachsehen. Und kaum war er aus der Tür, da nahm er die Beine in die Hand und rannte und rannte - bis er am Grab war. Er rennt hinein. Er reibt sich die Augen: es ist leer. - Die Frauen hatten recht! - Aber was soll das bedeuten? Und Petrus ist nur verwirrt.
Was lernen wir daraus? Wir lernen: Das leere Grab allein macht noch nicht Ostern. Das leere Grab weckt noch keine Freude, noch lange keine Osterfreude.
Er ging zurück zu den anderen und sagte. Die Frauen haben recht! Er ist weg! Aber wohin? Und so saßen sie den ganzen Tag und wissen nicht, was sie von alledem halten sollen. Und darüber wird es Abend. Sie machen Abendessen.
Und da passiert es: Plötzlich ist er da. Steht vor ihnen. Jesus.
(Duccio di Buoninsegna)
Sie reiben sich die Augen. Die einen meinen, sie träumen, die anderen schreien: Hilfe, ein Gespenst!" Keiner ruft: „Wie toll!" Sie können's nicht glauben was sie sehen.
Aber da beginnt Jesus zu reden: „Schalom!" - „Friede sei mit Euch". Ihr braucht keine Angst haben. Ihr müsst nicht erschrecken. Ich bin's wirklich. Ihr könnt mich anpacken, wenn ihr wollt! Ein Gespenst kann man doch nicht anpacken. Und die Jünger gucken und gucken - und können es nicht glauben vor Freude.
Da sagte Jesus: „Ihr könnt mir was zu essen geben. Ein Gespenst kann doch nicht essen. Hier riecht es gut nach Fisch. Wie wär's mit einem kleinen Stück?" Und in der Tat: „Er isst vor ihren Augen ihren gebratenen Fisch!
Und dann erklärt er ihnen alles. Auch, dass das schlimme Kreuz nicht nur eine schlimme Sache war, sondern auch eine gute. Da hatte Gott gezeigt, wie sehr er seine Menschen liebt - wie sein eigenes Leben. Da hat er der Welt erklärt, dass keine Macht der Welt, keine Schuld aber auch gar nichts die Menschen von Gottes Liebe trennen kann.
Und damit, dass Gott Jesus lebendig gemacht hat, hat er gesagt: Jesus ist wirklich mein Sohn. Er hat nicht gelogen! Er hat nicht gegen meinen Willen gehandelt - im Gegenteil: er hat recht gehandelt und recht geredet. Er hat euch gezeigt, wer ich wirklich bin: Euer Vater im Himmel, der Euch liebt.
Und damit, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat, hat er noch etwas gezeigt: Dass Gott stärker ist als der Tod. Wir sagen und viele Menschen sagen: „Das geht doch nicht - tot ist tot!" Gott sagt: „Geht nicht gibt's nicht!" Ich mache es möglich. „Geht nicht gibt's nicht!" Ostern ist das große Zeichen dafür, dass wir keine Kandidaten des Todes, sondern des Lebens sind.
Und allmählich, ganz allmählich, fangen die Freunde Jesu an zu begreifen. Und ganz allmählich weicht die große Trauer der Freude, entsteht Osterfreude: Und sie sagen den Ostergruß, den es bis heute gibt: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden."
Und diese Nachricht, so hat es Jesus seinen Freunden aufgetragen, haben sie in die ganze Welt getragen - auch bis zu uns nach Deutschland. Damit auch wir Ostern feiern können: das Fest der Macht Gottes über alle Todesmächte. Das Fest der großen Freude über Gott. Osterfreude eben. Davon darf jeder Tag leben - nicht nur die Ostertage: Jesus lebt. Gott liebt uns. Wir dürfen mit ihm reden. Wir dürfen mit ihm rechnen. Er ist unsere Hoffnung. Er ist das Ziel unseres Lebens.
Amen.

